Hörstrategien

Wenn Sie von Hörverlust betroffen sind, können Ihnen aktive Hörstrategien die Kommunikation in verschiedenen Umfeldern erheblich erleichtern. Mit oder ohne Hörhilfetechnologien können Sie effizienter und unbeschwerter kommunizieren, wenn Sie folgende Hörtaktiken anwenden.

Kommunikationstaktiken für besseres Hören

Auf die richtige Position kommt es an

Stellen Sie sich in einem Abstand von etwa 1 bis 1,5 Meter in Augenhöhe vor den Gesprächspartner. Wenn Sie auf einem Ohr besser hören als auf dem anderen, setzen Sie sich mit dem guten Ohr zum Sprecher gewandt hin. Achten Sie darauf, dass Sie ihm ins Gesicht sehen können und dass das Gesicht des Sprechers gut beleuchtet ist, da der Gesichtsausdruck hilfreiche Hinweise liefern kann. Verändern Sie Ihre Position, wenn Sie durch Licht geblendet werden oder das Gesicht des Sprechenden im Schatten liegt. Hintergrundgeräusche erschweren das Gespräch. Schalten Sie deshalb den Fernseher oder das Radio aus, schließen Sie Fenster oder Türen zu lauten Geräuschquellen und entfernen Sie sich aus einem lauten Umfeld. Überlegen Sie auch, ob sich die Akustik in Räumen verbessern lässt, in denen Sie sich oft unterhalten. Die Verwendung von Teppichen, Vorhängen, Polstermöbeln oder akustischen Deckenplatten eröffnet einige Möglichkeiten dafür.

Visuelle Hinweise beachten

Vieles lässt sich durch Beobachten des Sprechenden ableiten – die Lippenbewegungen, der Gesichtsausdruck, Gesten und die Körpersprache. Tragen Sie wenn nötig Ihre Brille. Wenn jemand mit Ihnen spricht, schauen Sie auf die Lippen und nicht in die Augen. Sie können so einfacher verstehen, was gesprochen wird, ohne dass es der andere merkt. Wenn Sie Ihren Gesprächspartner anschauen, hilft das nicht nur beim Verstehen des Gesprochenen, sondern es gilt auch als gutes Benehmen. Darüber hinaus können Sie von einer Audiotherapie profitieren, die Ihnen hilft, die Sprache anderer Personen effizient und mit weniger Konzentration „zu lesen“.

Meistern Sie die Vorteile von Pausen

Denkpausen müssen nicht immer mit Worten gefüllt werden. In einer Gruppensituation kann Ihnen eine Pause Zeit verschaffen, zu verstehen, was gesagt wurde, und zum Gespräch aufzuschließen. Wenn Sie mit einer einzelnen Person reden, kann selbst eine kurze Pause dafür sorgen, dass Sie das Gehörte verarbeiten können. Gestehen Sie sich selbst zu, sich bei Bedarf von einem Gespräch zurückzuziehen. Zuhören erfordert viel Energie und Konzentration und fällt umso schwerer, wenn Sie krank oder erschöpft sind.

Stellen Sie konkrete Fragen

Wenn Ihnen bei einem Gespräch etwas entgangen ist, helfen Sie dem Sprechenden mit konkreten Nachfragen. Beispielsweise können Sie sagen: „Ich habe den Schluss des Satzes nicht ganz verstanden.“ Oder Sie verwenden, was Sie gehört haben, für eine Frage wie „Um welche Zeit treffen wir uns?“ oder „Was war mit der Wahl?“ So vermeiden Sie Frustration auf beiden Seiten und das Gespräch kann flüssig verlaufen. Sie können Ihren Gesprächspartner auch bitten, etwas anders zu formulieren, damit die Worte, die Sie nicht verstanden haben, durch einfacher hörbare Worte ersetzt werden. Eine weitere Taktik ist es, darum zu bitten, ein Wort, das Sie nicht verstehen können, zu buchstabieren.

Seien Sie ehrlich und bestimmt

Zögern Sie nicht, anderen mitzuteilen, dass Sie schwerhörig sind, und weisen Sie auf praktische Methoden hin, mit denen die Kommunikation erleichtert werden kann. Bitten Sie den anderen, näher heranzukommen, langsamer zu sprechen, den Mund nicht mit der Hand zu bedecken oder sich von Hintergrundgeräuschen zu entfernen. Viele Menschen wissen oft nicht, wie sie sich mit Schwerhörigen unterhalten sollen. Versichern Sie jeweils, dass Sie eine klare und natürliche Aussprache am besten verstehen und dass man nicht laut rufen muss. Erklären Sie auch, dass eine unbehinderte Sicht auf das Gesicht hilfreich ist, damit Sie die Sprache und Gesichtsausdrücke interpretieren können.

Konzentrieren Sie sich auf das Thema

Es ist viel einfacher, einem Gespräch zu folgen, wenn Ihnen das diskutierte Thema bekannt ist. Bitten Sie Freunde oder Angehörige um unauffällige Hinweise zum Gespräch und wenn sich das Thema ändert. So könnten diese beispielsweise sagen: „Wir sprechen jetzt über den Immobilienmarkt.“ Oder Sie könnten jemanden unauffällig fragen, worüber gerade gesprochen wird. Versuchen Sie außerdem, die Sprache auf Themen zu bringen, mit denen Sie vertraut sind. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie das Gespräch nicht dominieren, bloß damit Sie nicht zuhören müssen.

Nutzen Sie Hörhilfsmittel

Nutzen Sie die vielen Hörhilfsmittel, mit denen man in bestimmten Situationen besser hören kann, sowohl zu Hause als auch an öffentlichen Orten. Es gibt hilfreiche Zusatzgeräte für Telefone, Fernseher und Radios und sogar für die Türklingel. Wenn Sie an Vorlesungen teilnehmen, bitten Sie die Sprecher, Mikrofone oder Frequenzmodulationssysteme (FM-Systeme) zu benutzen. Hörhilfsmittel können allein oder noch wirkungsvoller zusammen mit anderen Hörhilfen verwendet werden.

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Planen Sie für die Geräuschkulisse an öffentlichen Orten

Bedenken Sie Ihre Hörbedürfnisse, wenn Sie vorhaben, im Restaurant zu essen, ins Theater zu gehen oder an einer Vorlesung oder Versammlung teilzunehmen. Prüfen Sie die Geräuschkulisse des Restaurants, bevor Sie einen Tisch reservieren, und wählen Sie möglichst Zeiten, zu denen weniger Gäste zu erwarten sind. Suchen Sie sich möglichst einen ruhigen Tisch in einer Ecke oder Nische aus. Wenn Sie in ein Konzert, eine Theatervorführung, Vorlesung oder Versammlung gehen, bitten Sie um ein Hörhilfsmittel und treffen Sie frühzeitig ein, um sich einen Platz nahe der Lautsprecheranlage zu suchen. Wenn Sie an einem Meeting teilnehmen, bitten Sie den Sitzungsleiter, immer nur einer Person das Wort zu erteilten und lassen Sie sich die Themenliste schriftlich geben, damit Sie wissen, worüber als Nächstes gesprochen wird.

Bleiben Sie realistisch

Selbst Menschen mit perfektem Gehör verstehen nicht immer alles. Bleiben Sie also ruhig und gelassen, wenn Ihnen etwas entgeht. Konzentrieren Sie sich darauf, was der andere zum Ausdruck bringen möchte, und weniger auf jedes einzelne Wort. Es ist auch wichtig, dass Sie realistische Erwartungen haben und sich darüber im Klaren sind, dass unter bestimmten Hörbedingungen mehr und aktivere Hörstrategien erforderlich sind.

Lachen Sie auch mal über sich selbst

Über einen Fehler bei einem Gespräch zu lachen ist wesentlich hilfreicher, als sich Vorwürfe zu machen oder sich gar zurückzuziehen. Wenn Sie angespannt und negativ eingestellt sind, verbrauchen Sie eine Menge Energie und Konzentration, die Sie für das Zuhören benötigen, was Ihnen die Freude an der Unterhaltung nimmt. Jeder versteht mal etwas nicht oder falsch. Wenn Sie das mit Humor nehmen, bleiben Sie präsent und mit demjenigen verbunden, der mit Ihnen spricht.

Aufschreiben und Wiederholen

Wenn Details wichtig sind, beispielsweise Wegbeschreibungen oder medizinische Anweisungen, bitten Sie um eine schriftliche Version, um Missverständnisse auszuschließen. Falls Sie Informationen über das Telefon erhalten, wiederholen Sie diese für den anderen, um sicherzugehen, dass Sie alles richtig verstanden haben.

Sprechen und verhalten Sie sich so, wie Sie es von anderen erwarten

Menschen tendieren dazu, ihre Sprache und Körperhaltung demjenigen anzupassen, mit dem sie sich unterhalten. Stehen Sie aufrecht, schauen Sie Ihrem Gesprächspartner in die Augen und sprechen Sie klar und mit bestimmter Stimme, um andere dazu anzuregen, dies auch so zu machen. Wenn Sie Mühe haben, die Lautstärke Ihrer Stimme abzuschätzen, fragen Sie Ihren Gesprächspartner, ob Sie laut und schnell genug reden. Dadurch achtet auch der andere beim Reden ganz von allein auf Lautstärke und Tempo.

Bleiben Sie informiert

Informieren Sie sich über das Geschehen um Sie herum, da dies auf mehrere Weisen Ihrem Hörvermögen hilft. Wenn Sie wissen, was in der Welt, in Ihrem Umfeld und im Leben Ihrer Freunde passiert, ist es viel einfacher, sich in ein Gespräch einzuschalten bzw. sich daran zu beteiligen. Gleiches gilt, wenn Sie vor dem Kino- oder Theaterbesuch die Kritiken lesen. Sie können dann viel einfacher der Handlung folgen.

Haftungsausschluss

Die Angaben auf dieser Webseite dienen zur Information und sind in keiner Weise als Ersatz für die medizinische Beratung vorgesehen. Bitte konsultieren Sie einen Facharzt für eine Diagnose bzw. Behandlung eines Hör- oder Gesundheitsproblems.

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