Übliche Bewältigungsstrategien

Gibt Ihr Partner bei Gesprächen unpassende Antworten, spricht er oder sie, während andere noch reden oder stellt den Fernseher lauter als alle anderen? Menschen mit unbehandeltem Hörverlust wenden bekanntlich solche subtilen Bewältigungsstrategien an. Da sich das Hörvermögen meist langsam verschlechtert, bemerkt Ihr Partner möglicherweise gar nicht, dass er den Hörverlust kompensiert. Vielleicht will er oder sie es auch einfach nicht wahrhaben und zugeben, dass er oder sie schlecht hört und behandelt werden sollte.

Unglücklicherweise machen Bewältigungsstrategien den Hörverlust nur noch schlimmer. Das Problem, ständig etwas vertuschen zu müssen, kann anstrengend und stressig für den Betroffenen sein und zusätzliche Kommunikationsprobleme mit Menschen im Umfeld verursachen.

Sie können Ihrem Partner helfen, indem Sie darauf achten, ob er oder sie einen Hörverlust zu kompensieren versucht. Wenn Ihr Partner mit einem Hörproblem kämpft, können Sie ihm helfen, indem Sie ihn dazu bringen, das Problem zu akzeptieren und einen Hörtest durchführen zu lassen. Sobald er zugeben kann, dass er an Hörverlust leidet, kann sich das Leben durch eine Behandlung des Hörverlusts ändern. Nachfolgend finden Sie die häufigsten Bewältigungsstrategien bei Hörverlust, auf die Sie achten sollten.

Abhängigkeit von anderen

Von Hörverlust Betroffene verlassen sich oft darauf, dass andere das Gesagte wiederholen oder interpretieren. Es mag verlockend sein, als „Hörrohr“ für nahestehende Menschen zu dienen, aber das führt nur dazu, dass der Betroffene den Hörverlust weiter verleugnet. Außerdem kann es Beziehungen belasten und das Gefühl der sozialen Isolation des Betroffenen noch weiter verstärken.

Nichterkennen von Anhaltspunkten

Gibt Ihr Partner bei Gesprächen unpassende Antworten, spricht er unaufgefordert oder ignoriert er unbewusst andere Leute, die mit ihm sprechen? Es ist nicht ungewöhnlich für Menschen mit Hörverlust, Hinweise in Gesprächen falsch zu verstehen oder etwas Unpassendes zu sagen, was wiederum zu Spannungen mit Kollegen, Freunden und Familienmitgliedern führen kann. Ihr Partner kann sich aus diesen Gründen angespannt fühlen, beschämt oder deprimiert sein und sich darum aus sozialen Situationen zurückziehen. Das Nichterkennen bzw. Überhören von Hinweisen kann auch als Interesselosigkeit oder Anzeichen von Senilität missverstanden werden, was Minderwertigkeitsgefühle noch verstärken kann.

Bluffen

Damit sie nichts Falsches sagen oder andere nicht bitten müssen, sich zu wiederholen, „mogeln“ sich manche Menschen mit Hörverlust durch Gespräche. Möglicherweise lächelt und nickt Ihr Partner oder täuscht Verstehen vor, um Peinlichkeiten zu vermeiden und das Gefühl zu haben, am Gespräch teilzunehmen. Solche Irreführungstaktiken führen jedoch meist zu noch mehr Missverständnissen. Dieses Verhalten wird möglicherweise als Gleichgültigkeit interpretiert oder vermittelt den Eindruck, dass der andere selektiv zuhört oder ein schlechtes Gedächtnis hat. Bluffen ist für von Hörverlust Betroffene meistens sehr anstrengend. Außerdem werden damit ehrliche und offene Gespräche untergraben, die für eine persönliche Beziehung so wichtig sind.

Dominieren des Gesprächs

Da Menschen mit Hörverlust schlecht hören, „übernehmen“ manche die Kontrolle über das Gespräch, indem sie ständig reden. Ihr Partner füllt dann Gesprächspausen und spricht häufig über andere hinweg, anstatt natürliche Gesprächspausen zu respektieren und andere sprechen zu lassen. Durch die Tendenz zum Dominieren von Gesprächen kann Ihr Partner respektlos, aggressiv, beherrschend, egozentrisch oder als „Besserwisser“ erscheinen. Außerdem entgeht ihm die Freude, Neues über andere Menschen zu erfahren, wie bei einem echten wechselseitigen Gespräch.

Rückzug

Eine andere negative Bewältigungsstrategie von Menschen mit Hörverlust ist der soziale Rückzug. Ihr Partner ist dann immer mit anderen Dingen beschäftigt, damit er laute Familientreffen vermeiden kann, oder er erfindet Ausreden, damit er das Telefon nicht abnehmen bzw. Einladungen anderer Leute nicht annehmen muss. Durch einen solchen Rückzug isoliert sich Ihr Partner aber immer mehr von anderen Menschen und Aktivitäten, die er eigentlich gerne mag. Er verpasst dadurch unzählige kostbare Momente, von den lustigen Witzen eines Freundes bis zu den neuesten Erlebnissen mit den Enkeln.

Aufdrehen der Lautstärke

Schiebt es Ihr Partner auf die Raumakustik, auf Hintergrundgeräusche oder minderwertige Technik, wenn er den Fernseher oder das Radio lauter stellt? Das Lauterstellen des Fernsehers als Kompensationsmaßnahme kann bei Menschen mit Hörverlust häufig beobachtet werden. Es kann zwar harmlos erscheinen, verhindert aber, dass der Betroffene den Hörverlust erkennt und sich in Behandlung begibt. Das Aufdrehen der Lautstärke belastet zudem Beziehungen und macht es für Ihren Partner schwierig, zusammen mit anderen fernzusehen oder Musik zu hören.

Hilfe suchen

Ein Termin bei einem Hörspezialisten ist der erste Schritt, um Stress, Ermüdung, Ruhelosigkeit, Depressionen und soziale Isolation, die das Ergebnis der Verschleierung des Hörverlusts sind, abzubauen. Mit Hilfe von Tests kann ein Hörspezialist das Hörproblem des Betroffenen diagnostizieren und die beste Behandlungsmethode empfehlen, mit der die Kommunikationsfähigkeiten, das Selbstvertrauen und die Freude am Leben wieder hergestellt werden können.

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Phasen beim Umgang mit Hörverlust

Die einzelnen Phasen beim Umgang mit Hörverlust können in fünf Kategorien eingeteilt werden: Verleugnung, Wut, Feilschen, Niedergeschlagenheit und Akzeptanz.

Verleugnung des Hörverlusts. Ihr Partner gibt möglicherweise anderen Leuten oder der Technik die Schuld für das schlechte Hörvermögen. „Ich habe einen ziemlich schlechten Handy-Empfang“ oder „Die anderen nuscheln immer“.

Wut auf den Audiologen oder andere Personen im Zusammenhang mit dem Hörverlust. „Der hat doch keine Ahnung“ oder „Wie soll mir ein Hörgerät helfen?“

Feilschen „Ich brauche eigentlich gar kein Hörgerät, ich muss bloß ein bisschen mehr Geduld aufbringen.“

Niedergeschlagenheit „Warum soll ich mit den Kollegen ausgehen, wenn ich sie sowieso nicht verstehen kann.“

Akzeptanz des Hörverlusts und dass eine Behandlung erforderlich ist. „Ich möchte endlich wieder hören können und ein Cochlea-Implantat könnte mir helfen.“

Haftungsausschluss

Die Angaben auf dieser Webseite dienen zur Information und sind in keiner Weise als Ersatz für die medizinische Beratung vorgesehen. Bitte konsultieren Sie einen Facharzt für eine Diagnose bzw. Behandlung eines Hör- oder Gesundheitsproblems.

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