Formen des Hörverlusts
In welchem Bereich des Hörvermögens besteht ein Verlust? Kann ein Betroffener vielleicht die hohen Töne nicht hören? Oder wird der Schall generell nur unzureichend ins Innenohr weitergeleitet? Oder erreicht er zwar das Innenohr, wird jedoch hier nicht verarbeitet?
Unabhängig vom Grad des Hörverlusts hat jede Hörschädigung ihre Form. Folgende Formen werden unterschieden:
Schallleitungsschwerhörigkeit
Bei einer Schallleitungsschwerhörigkeit, auch Mittelohrschwerhörigkeit genannt, ist die Zuleitung des Schalls zum Innenohr gestört. Das Innenohr selbst funktioniert, die Reichweite des Hörvermögens ist jedoch herabgesetzt, und Sprache wird als weniger deutlich empfunden. Abhilfe können hier oft eine medizinische Behandlung sowie eine Hörgeräteversorgung schaffen.
Schallempfindungsschwerhörigkeit
In der Hörschnecke (Cochlea) verarbeiten winzige Haarsinneszellen den ankommenden Schall. Zu einer Schallempfindungs- oder Innenohrschwerhörigkeit kommt es, wenn diese Haarzellen beschädigt sind oder gar nicht mehr arbeiten. Geräusche, Musik und vor allem Sprache können bei dieser Art der Hörschädigung nur sehr eingeschränkt oder gar nicht mehr wahrgenommen werden. Auch Ohrgeräusche (Tinnitus) und Gleichgewichtsstörungen können auftreten. Medizinische, technische sowie gegebenenfalls auch pädagogische Maßnahmen sind erforderlich.
Kombinierter Hörverlust
Bei diesem Hörverlust liegt eine Verbindung aus einer Schallleitungs- und einer Schallempfindungsschwerhörigkeit vor. Die Auswirkungen können je nach Kombination unterschiedlich stark sein.
Einseitige Taubheit
Durch eine Schädigung im Innenohr kann es auch zur praktischen Taubheit auf einer Seite kommen. Bei einer einseitigen Taubheit fällt es dem Betroffenen vor allem schwer, die Schallquellen genau zu orten. Sprache wahrzunehmen ist insbesondere dann schwierig, wenn das gesunde Ohr zusätzlich Hintergrundgeräuschen ausgesetzt ist.
Sensorineurale Hörstörung: wenn der Hörnerv nicht richtig funktioniert
Ist die Ursache der Hörstörung ein funktionsunfähiger Hörnerv – das heißt: Die Ursache liegt in der aufsteigenden Hörbahn hinter der Hörschnecke – , kann bei geeigneter Diagnose ein auditorisches Hirnstammimplantat (ABI = Auditory Brainstem Implant) helfen. Dies entspricht im Wesentlichen einem Hörimplantat, wird aber mit verändertem Elektrodenträger auf der ersten zentralen Verarbeitungsstation der Hörbahn, dem Nucleus cochlearis im Hirnstamm, platziert. Die Diagnose und Therapie von auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen ist ausgesprochen komplex und vielfältig. Es muss immer sichergestellt sein, dass der periphere Input – auf natürlichem Weg oder über ein Cochlea-Implantat – vorhanden ist.
Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen: wenn das Zentralnervensystem betroffen ist
In seltenen Fällen sind die Verarbeitungsprozesse in der Hörbahn oder die Hörwahrnehmung im Zentralnervensystem beeinträchtigt. Das periphere Ohr an sich ist dann in der Regel nicht betroffen. Oftmals finden sich Hörleistungsstörungen in den Bereichen
- Schalllokalisation,
- auditive Selektion, zum Beispiel der Cocktailparty Effekt,
- akustische Differenzierung, zum Beispiel Unterscheidung ähnlich klingender Laute, Silben oder Wörter,
- auditive Merkfähigkeit, zum Beispiel Sätze richtig nachsprechen und merken und
- auditive Analyse und Synthese, zum Beispiel das Zerlegen eines Wortes in seine Silben.
Im ungünstigsten Fall kann der Betroffene hören, aber nicht verstehen, weil er die vom Ohr eintreffenden Informationen nicht mehr richtig interpretieren oder assoziieren kann.
Bei Kindern kann sich diese Wahrnehmungsstörung unter anderem auch in einer Sprachentwicklungsverzögerung zeigen. Die Diagnose und Therapie von auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen ist ausgesprochen komplex und vielfältig. Zunächst muss aber sichergestellt sein, dass der periphere Input – auf natürlichem Weg oder über ein Cochlea-Implantat – vorhanden ist.



